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Abschaffung SKN-Kurse

Liebe Hundefreunde

Die Schweizweit obligatorischen Hundehalterkurse SKN (je 4 Lektionen Theorie und Praxis) werden abgeschafft. Dies hat der Nationalrat am 19. September 2016 entschieden. Und dies obwohl der Bundesrat sowie die Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur an den Kursen festhalten wollten. Mehr dazu hier.

Tierschutzorganisationen, Fachpersonen rund um den Hund und viele andere, auch offizielle Stellen rund um den Hund sind zutiefst enttäuscht. Hier haben die Parlamentarier über Dinge entschieden, über welche sie nun wirklich keine Ahnung haben. Mehr dazu hier.

Was bedeutet das für den Moment?

Dazu haben wir das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) direkt angefragt und folgende offizielle Antwort erhalten:

„Für die Umsetzung des Parlamentsentscheids braucht es zuerst Änderungen in den betroffenen Verordnungen. Die Arbeiten dafür werden jetzt aufgenommen. Der Entscheid über die Verordnungsänderungen obliegt dem Bundesrat. Mit der Inkraftsetzung der geänderten Verordnungen ist frühestens per 1. Januar 2017 zu rechnen. Bis zum Termin der Inkraftsetzung der Verordnungsänderungen gilt das aktuelle Recht.

In einzelnen Kantonen kann es weiterhin obligatorische Kurse geben. Diese basieren auf den kantonalen Hundegesetzen, welche den Aspekt der Sicherheit der Bevölkerung in den Vordergrund stellen, die in die Zuständigkeit der Kantone fällt.“

Das bedeutet: Bis das neue Gesetz in Kraft tritt bleibt alles wie es ist: der Sachkundenachweis (Theorie und Praxis) ist obligatorisch. Bei wem die Frist für den SKN-Kurs also demnächst abläuft, der sollte den Kurs noch besuchen – es sei denn, er möchte mit dem Feuer spielen und allfällige Konsequenzen in Kauf nehmen.

so oder so:

SKN Kurse sollten keinesfalls als lästige Pflicht, sondern als tolle Chance für Mensch und Hund angesehen werden. Ich bin überzeugt und erhalte auch regelmässig die Bestätigung: das Modul Basic (4 SKN + 1 Lektion) von amicanis bringt Hund & Halter viele wertvolle Learnings – und das ist auch mein Herzens-Ziel!

 

Die Kurse des Kantons Zürich bleiben weiterhin obligatorisch

Das Hundegesetz des Kantons Zürich verlangt neben den SKN-Kursen zusätzliche Kurse für grosse Hunde: die Welpen-, Junghunde- und Erziehungskurse. Mehr dazu mit allen Details hier „Infos – obligatorische Hundekurse“. Diese Kurse sind kantonal geregelt und bleiben bestehen. Dies hat uns heute das Veterinäramt des Kantons Zürich telefonisch bestätigt. Hier die offizielle Stellungnahme auf deren Webseite.

Das heisst:

  • Die Welpen-, Junghunde- und Erziehungskurse für grosse Hunde bleiben weiterhin obligatorisch.
  • Kleine Hunde werden, sobald dann das neue Gesetz in Kraft tritt und die SKN-Kurse entfallen, leider leer ausgehen da sie in den kantonalen Hundekursen nicht berücksichtigt wurden (es hiess damals bei kleinen Hunden genügen die 4 SKN-Praxislektionen – was natürlich fachlich betrachtet völlig falsch und unfair ist. Die Überlegung kam jedoch daher, dass eine Bissverletzung eines kleinen Hundes kleiner ausfällt und somit seien die ganz einfach weniger gefährlich…)

Doch heute wissen wir, dass es bei den obligatorischen Kursen um viel mehr geht als um die Beissstatistik: Bindungsaufbau, gegenseitiges Verständnis, artgerechte Auslastung, Tierschutz und Tierwohl stehen ebenfalls im Mittelpunkt – was natürlich indirekt auch der Prävention von Beissvorfällen dient.

Herzenswunsch @ Kanton Zürich

Darum hoffen wir sehr fest, dass der Kanton Zürich sein Hundegesetz nochmals überdenkt und die kleinen Hunde die gleiche Chance bekommen auf ein ausgeglichenes, angenehmes und angstfreies Leben (Stress, Schmerzen & Angst = häufigste Auslöser für Aggressionsverhalten) wie ihre grösseren Artgenossen.

Noch schöner wäre es, wenn alle mitmachen!

Zudem wäre es sehr zu begrüssen, wenn andere Kantone nachziehen und zum Wohle des Tierschutzes und auch im Sinne der Prävention obligatorische Kurse ins Leben rufen würden … denn Hunde können, sollen und dürfen ja Kantonsgrenzen übertreten.

Und wirklich intelligent wäre ein nationales, verbessertes Hundekurs Obligatorium gewesen – aber dieser Traum ist nun geplatzt! Und das Gemeine ist: wir waren so nah dran, es hätte nur ein paar Verbesserungen gebraucht.

 

Was bedeutet das für die Hundeschule amicanis?

In der Hundeschule amicanis wird sich vorläufig nichts ändern. Sowohl die praktischen als auch theoretischen Kurse für den Sachkundenachweis (SKN) halten wir aufrecht, bis die neue Gesetzesverordnung in Kraft ist. Diese sowie auch die Junghunde- und Erziehungskurse stehen selbstverständlich ALLEN offen. Selbst den kleinsten Hunden!

Auch nachher werden wir Neuhundehaltern ein tolles Angebot für die theoretische und praktische Grundausbildung anbieten – welche selbstverständlich auch bestehenden Hundehaltern jederzeit offen steht. Zudem möchten wir auch weiterhin Informationstage anbieten, welche angehende Hundehalter – oder Menschen, die erst über eine Hundehaltung nachdenken, umfassend informieren und ideal vorbereiten.

Hundetraining ist viel mehr als Erziehung. Es fördert das gegenseitige Verständnis, baut Bindung auf, erleichtert Hund und Halter schwierige Alltagssituationen, lastet den Hund artgerecht aus (mit Bewegung, Kopf und Nase) … und vieles mehr! HUNDETRAINING = QUALITY TIME!

… vielen Hundehaltern wurde das erst im SKN-Kurs bewusst, den sie ohne das Obligatorium gar nicht erst besucht hätten. Hoffen wir also fest, dass auch zukünftig möglichst viele Hunde mit ihrem Menschen in die Hundeschule gehen und gemeinsam als Team „wachsen“ dürfen.

 

Ein paar persönliche Worte dazu

… einfach so, weil man so oft lesen konnte, dass die Kurse nichts gebracht hätten – und keiner von den tollen Erfolgen sprach, welche so viele Hundeschulen mit viel Mühe und Engagement erreicht haben:

Wer hätte das gedacht: durch Training werden Fortschritte gemacht

Ich war immer wieder hoch erfreut darüber, welch grossartige Fortschritte die Mensch-Hund-Teams im Verlaufe des Kurses gemacht haben. Hunde, die zuvor niemals in die Richtung ihres Menschen geschaut haben lernten, dass es sich lohnt seinen Menschen öfters anzuschauen. Das erleichtert die Kommunikation auf beiden Seiten enorm.

Die Halter bekamen ein Grundverständnis über die Lerntheorie, erhielten div. Trainings-Tipps für den Alltag, lernten die Körpersprache (und somit die Emotionslagen wie z.B. auch Stress, Unsicherheit und Angst) ihrer Hunde kennen und verstanden, wie sie ihren Hund in Alltagssituationen richtig unterstützen. Ein grosses Augenmerk wurde auch immer auf die Verhaltensregeln für ein friedliches Miteinander in der Öffentlichkeit gelegt usw.

Umdenken hat stattgefunden

Erfreulicherweise hätte ein grosser Teil meiner Kunden so einen Kurs sowieso, also auch freiwillig besucht. Bravo – und vielen Dank! … und klar: mit motivierten Kunden macht es am meisten Spass und da werden erst recht gigantische Fortschritte erreicht!

… Doch ich habe auch immer wieder Kunden erlebt, die nur zwecks „SKN-Pflicht“ zu mir kamen. Es war bestimmt nicht immer einfach – doch vor allem dem Hund zu liebe habe ich mich auch bei diesen Kunden sehr angestrengt. zu Beginn waren sie nett ausgedrückt „unmotiviert“. Teils sogar mürrisch und kritisch gegenüber allem was man sagte. Diese Einstellung widerspiegelte sich dann meistens auch dem Hund gegenüber. Von Kommunikation, Bindung und Beziehung oft keine Spur…

Doch fast immer schaffte ich es (wenn auch teilweise nur mit sehr viel Mühe) dass beim Besitzer ein Umdenken stattgefunden hat: plötzlich interessierten sie sich für das Ausdrucksverhalten, das Lernverhalten und die persönlichen Vorlieben ihres Hundes. Sie erlebten was Motivation beim Hund alles bewirken kann und standen ab spätestens der dritten Lektion mit viel Futter und ganz besonderen Leckerchen da.

Die Fortschritte ihres Hundes bereiteten ihnen Spass und auch die Hunde selbst blühten auf, zeigten nicht mehr so viel Stress usw. Es gelang mir also fast immer die Menschen zum Umdenken anzuregen. Ihr Interesse an den Bedürfnissen ihres Hundes zu fördern etc. – mein Ziel war erreicht!

Und ich war jedes Mal so dankbar für das Obligatorium, denn ohne dieses wäre es nie zu solchen Momenten gekommen – auch nicht für den Hund.

Stichwort Tierschutz

Als Hundetrainer allgemein, aber vor allem als Trainer von obligatorischen Kursen kommt man immer wieder in Situationen, in welchen man echte Tierschutzarbeit leistet. Hier nur einige ganz wenige Beispiele:

Oft wissen Hundehalter tatsächlich nicht, dass es wirklich nicht gut ist für den Hund und ihre Beziehung zu ihm, wenn sie in anschreien, grob anstupsen oder an der Leine rucken, usw. – denn es wird ihnen ja im Fernsehen fast täglich so vorgelebt. Oft haben sie keine Ahnung über das wahre Ausmass, wenn sie den Hund den ganzen Tag alleine zu Hause lassen. Oft ist den Haltern gar nicht bewusst, dass ihr Hund in Situation X oder Y massiv unter Stress leidet – oder dass der Hund total unter- oder überfordert ist in seinem Leben. Oder auch, dass sich der Hund so oft kratzt oder so komisch läuft, dass er dringend tierärztlich untersucht werden sollte… und das sind wirklich nur wenige Beispiele…

Das alles sind Dinge, die wir Hundetrainer dann erkennen und möglichst freundschaftlich ansprechen und angehen, so dass die beste Lösung für den Hund gefunden werden kann.

Durch das Obligatorium hatten ALLE Hunde diese Chance. Auch Hunde die Pech hatten und an einen Besitzer gelangt sind, der sich freiwillig nie wirklich mit dem Thema auseinandersetzen würde (Zitat Hundeherz.ch)

Und genau hier liegt das grosse Problem: im Tierschutz. Denn für viele Hunde wird dieser „Schutz“ jetzt wegfallen. … was sich natürlich indirekt auch wieder auf die Prävention auswirkt, auf das Hunde/Hundehalter-Image in der Öffentlichkeit, auf die Hundegesetze usw… und darunter werden wir alle leiden – sowie auch unsere Hunde.


… doch fertig schlechte Laune! (FDP wähle ich aber ganz bestimmt nie mehr!)

Wir freuen uns weiterhin auf tolle zwei- und vierbeinige Kunden und werden weiterhin unser Bestes geben – Obligatorium hin oder her! ?

Herzliche Grüsse,
Patricia Wantz

 

 

Kommentare ( 2)

  1. Reply
    Stefano Corvagliasagt

    Der Hundetheoriekurs von amicanis ist äusserst lehr- und abwechslungsreich. Das Kurs-Dossier ist umfassend und professionell gestaltet Es behandelt alle wichtigen Aspekte der Hundehaltung detailliert und praxisnah. Dank der kompetenten und sympathischen Kursleitung von Patricia konnte ich mich als ehemaliger und künftiger Hundebesitzer auch von einigen Missverständnissen betreffend das Verhältnis Hund und Mensch guten Gewissens verabschieden. Der Hundetheoriekurs ist sowohl als Einführung für neue Hundehalter als auch für solche die ihr Wissen über die Hunde-haltung aktualisieren oder ergänzen möchten absolut empfehlenswert und in jedem Fall eine wertvolle Investition.

    • Reply
      adminsagt

      Lieber Stefano, herzlichen Dank für das liebe Feedback, das freut mich riesig!

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